
Kaisergebirge
2026
10
Die Sehnsucht nach den Bergen war groß, als ich mich Anfang Juni 2026 auf den Weg zurück in die Alpen machte. Die große Frage zu dieser Jahreszeit: Wo liegt schon wenig genug Schnee für eine mehrtägige Hüttenwanderung? Die Antwort war schnell gefunden: das Kaisergebirge in Tirol. Da die Wanderwege hier selten die 2.000-Meter-Marke überschreiten (höchster Punkt ist der Ellmauer Halt mit 2.344 m), eignet sich die Region perfekt für ein frühes Bergabenteuer im Sommer.
Viele kennen die markante Südseite des Wilden Kaisers vor allem aus der TV-Serie „Der Bergdoktor“. Mein Ziel war jedoch ein anderes: Ich wollte direkt in das Herz des Gebirges eintauchen, es einmal komplett durchqueren und den Unterschied zwischen dem sanfteren, nördlichen Zahmen Kaiser und dem schroffen, südlichen Wilden Kaiser hautnah erleben.
🔗 Tourdaten & Karte am Seitenende:
Das Besondere hier: Der größte Teil des Kaisergebirges ist ein strenges Naturschutzgebiet und weder durch Straßen noch durch Seilbahnen erschlossen. Die einzige Ausnahme bildet der historische Kaiserlift in Kufstein – ein traditionsreicher 1er-Sessellift, der Wanderer sanft an den Rand des Schutzgebietes zum Brentenjoch bringt. Nach meiner Ankunft mit dem Zug in Kufstein ging es direkt vom Bahnhof los. Die erste Etappe war der perfekte, sanfte Einstieg. Der Weg hinauf zur Ritzaualm bot einen moderaten Aufstieg und passte zeitlich ideal in den halben Tag. Genau das Richtige, um entspannt in der Bergwelt anzukommen.
Der zweite Tag zum Stripsenjochhaus war definitiv die härteste Etappe der Tour. Bei Dauerregen startete ich direkt neben der Hütte bergauf durch den lichten Bergwald Richtung Naunspitze (1.633 m) und nach rund 30 Minuten durch die Latschenfelder zum Petersköpfl (1.745 m). Hier beginnt eigentlich eine herrliche Gipfelwanderung über den Einserkogel (1.924 m) und den Zwölferkogel (1.912 m). Das Wetter machte die ohnehin anspruchsvolle Gratwanderung durch die rutschigen Felsen jedoch zu einer großen Herausforderung. Nach dem Abstieg durch eine kurze, nasse Rinne – das „Vogelbad“ – ging es über den Elferkogel (1.916 m) weiter zur Pyramidenspitze (1.997 m), dem bekanntesten Gipfel des Zahmen Kaisers.
Da glücklicherweise keine Gewittergefahr bestand, zog ich die Route über den Grat trotz des Regens durch, obwohl unterhalb ein Höhenweg als sicherere Alternative zur Verfügung gestanden hätte. Belohnt wurde der Aufwand am Gipfel leider nicht: Wegen des dichten Nebels herrschte absolute Nullsicht mit Sichtweiten von teilweise unter 10 Metern.
Von der Pyramidenspitze ging es wieder abwärts in südwestlicher Richtung, bis ich auf den Höhenweg zum Stripsenjochhaus traf. Ab hier folgte der Endspurt vorbei an der Kaiserquelle und der Hochalm (1.403 m), um schließlich über den Feldalmsattel nass, aber glücklich das Stripsenjochhaus (1.577 m) zu erreichen. Es liegt malerisch auf dem Sattel, direkt zwischen den mächtigen Felswänden des Wilden und des Zahmen Kaisers.
Am dritten Tag ging es bei endlich wieder schönem Wetter los. Frisch gestärkt vom Frühstück holte ich aber zuerst noch die Besteigung des Stripsenkopfs (1.813 m) nach – am Vortag hatte das wegen des schlechten Wetters und der Nullsicht einfach keinen Sinn gemacht. Danach ging es in Serpentinen bergab ins Kaisertal nach Hinterbärenbad (829 m). Nach einer kurzen Rast am Anton-Karg-Haus folgte der Aufstieg über den „Bettlersteig“. Der Steig führte mäßig steil über einige Gräben bergauf und wurde in Windungen steiler; die zwei kurzen Drahtseilpassagen waren trocken absolut problemlos. Oben angekommen wanderte ich nach rechts zum Gamskogel (1.449 m) und weiter zum Weinbergerhaus (1.273 m).
Am vierten Tag führte mich der Weg zunächst einmal hinüber zur Kaindlhütte. An der ersten Weggabelung folgte ich dem Pfad hinauf zum Hochegg (1.470 m). Ab dort ging es dann immer gemütlich bergab über die Walleralm bis hinunter zum wunderschönen Hintersteiner See – der absolut perfekte Ort zum Abschluss dieser Kaisertour!
Nach der Kaisertour schloss ich noch drei Tage in Ellmau an, um die wunderschöne Umgebung rund um den Wilden Kaiser zu erkunden. Dabei durften die berühmten Drehorte der TV-Serie „Der Bergdoktor“ natürlich nicht fehlen. Wir besichtigten die bekannte Bergdoktorpraxis in Ellmau, schauten uns den idyllischen Dorfplatz in Going mit dem Filmgasthof „Wilder Kaiser“ an und wanderten schließlich hinauf zum Gruberhof am Bromberg, wo wir eine spannende Führung erlebten. Fun Fact: Die Frühstücksszenen auf der Terrasse werden erst nachmittags gedreht. Da der Hof nach Westen blickt, nutzt das Filmteam die Abendsonne, weil die Sonne morgens im Osten hinter dem Berg aufgeht.
Zum krönenden Abschluss stand am letzten Tag die wohl bekannteste Wanderung im Wilden Kaiser an, die man einfach gemacht haben muss. Diese mittelschwere bis schwere Bergtour führt von der Wochenbrunner Alm durch das Kübelkar hinauf zum Ellmauer Tor (1.997 m). Dort öffnet sich ein spektakulärer Blick auf die senkrechten Felswände – es ist der tiefste Einschnitt im gesamten Wilden Kaiser. Das Finale zur Hinteren Goinger Halt (2.192 m) erfordert leichte, teils kettenversicherte Kraxelei. Hier war der Gipfel leider auch im Nebel verhangen.

inklusive Karten, Etappen, Höhenprofile und GPX-Datei
Kaisertour – Etappenübersicht:
Etappe 1: Kufstein – Ritzaualm (7,5 km | 800 Hm ↑ | 130 Hm ↓)
Etappe 2: Ritzaualm – Stripsenjochhaus (14,1 km | 1.320 Hm ↑ | 920 Hm ↓)
Etappe 3: Stripsenjochhaus – Weinbergerhaus (12,5 km | 680 Hm ↑ | 1.000 Hm ↓)
Etappe 4: Weinbergerhaus – Hintersteiner See (12,5 km | 550 Hm ↑ | 910 Hm ↓)
























