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E5 · Oberstdorf - Meran

2021

01

Im Sommer 2021 bin ich gemeinsam mit meiner Schwester den Klassiker unter den Alpenüberquerungen gewandert, den E5 von Oberstdorf nach Meran. Es war meine erste Fernwanderung und Hüttentour, und sie hat meine Leidenschaft für Mehrtagestouren so richtig entfacht.

 

Der Traum von einer Alpenüberquerung hatte schon länger in mir geschlummert; während der Corona-Zeit beschäftigte ich mich immer intensiver mit diesem Gedanken. Ein Wanderurlaub in Berchtesgaden im Jahr 2020 war schließlich der Auslöser, das Vorhaben endlich anzugehen. Dabei wurde mir auch klar: In jungen Jahren lässt sich so ein Abenteuer am besten umsetzen – solange man gesund und körperlich fit ist. Die Berge laufen zwar nicht weg, aber die eigene Beweglichkeit vielleicht schon, also besser nicht zu lange warten. Umso schöner war es, diesen Schritt nicht alleine zu gehen, sondern die Tour gemeinsam mit meiner Schwester zu erleben.

 

Doch bevor es losgehen konnte, musste erst einmal die komplette Ausrüstung angeschafft werden. Besonders wichtig: gut sitzende Wanderschuhe und ein passender Rucksack – beides absolute Voraussetzungen für eine erfolgreiche Tour. Beim Rest muss es nicht die teuerste Ausrüstung sein. Ich habe jedoch festgestellt, dass sich Kleidung aus Merinowolle trotz des höheren Preises absolut bewährt – vor allem, weil man damit mehrere Tage geruchsfrei unterwegs sein kann.

Ich habe damals viele Stunden mit Recherche verbracht, bis ich meine ideale Ausrüstung gefunden hatte. Und bis heute begleiten mich meine Meindl Litepeak GTX (inzwischen nicht mehr das erste Paar, aber immer noch das gleiche Modell) und der Deuter Futura Pro 36 treu auf meinen Wegen.

Eines der absoluten Highlights war für mich der Abschnitt von der Memminger Hütte zur Seescharte (2.599 m). Der Weg führt an den Seewiseen vorbei – dem Unteren, Mittleren und Oberen See. Diese türkisfarbenen Karseen, eingebettet in eine beeindruckende Hochgebirgslandschaft, wirken fast so, wie man sich die Alpen malt. Als dann auch noch ein Regenbogen erschien und wir auf eine große Steinbockherde trafen, wurde dieser Moment endgültig unvergesslich. Damals hielt ich das noch für etwas Alltägliches in den Bergen – heute weiß ich, wie außergewöhnlich diese Begegnung war.

Ebenso eindrucksvoll war der Übergang über das Pitztaler Jöchl, ein hochalpiner Pass auf knapp 3.000 Metern Höhe, der in die Ötztaler Alpen führt. Von dort eröffnet sich ein weiter Blick auf die umliegenden Gletscher und auf die Wildspitze (3.768 m), den zweithöchsten Berg Österreichs. Der Aufstieg dorthin ist nicht zu unterschätzen: Von der Braunschweiger Hütte führt der Weg durch steiles, teils schneebedecktes und von Geröll durchsetztes Gelände, das volle Konzentration erfordert.

Neben der klassischen Route unternahmen wir auch einen lohnenswerten Abstecher zur Ötzi-Fundstelle auf 3.210 Metern und bestiegen anschließend den Similaun (3.606 m). Dort hatten wir großes Glück mit dem Wetter und konnten eine Fernsicht von über 100 Kilometern genießen. Für mich war es zugleich meine erste Gletschertour – und wir waren im Nachhinein ziemlich froh, nicht als Ötzi 2.0 geendet zu haben. Besonders positiv empfand ich, wie gut ich mit der Höhenluft zurechtkam – eine Erfahrung, die mir gezeigt hat, dass auch höhere Ziele realistisch sind, etwa Viertausender in den Alpen oder langfristig sogar eine Trekkingtour im Himalaya. Dazu trug sicherlich auch die gute Akklimatisierung bei, unter anderem durch die Übernachtung auf der Similaunhütte auf 3.019 Metern.

Gleichzeitig waren es meine ersten Hüttenübernachtungen überhaupt. Das Essen überraschte mich positiv – meist ein Dreigänge-Menü und deutlich besser, als ich es erwartet hatte. Auch die Atmosphäre auf den Hütten war besonders: Unter Gleichgesinnten entsteht schnell ein offener, respektvoller und herzlicher Umgang. Nach den langen Wandertagen war ich zudem so müde, dass mir Hochbetten, Matratzenlager und selbst die allgegenwärtigen Schnarchkonzerte nichts anhaben konnten.

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