
Via Alpina · Berner Oberland
2025
08
Der Abschnitt durch das Berner Oberland zählt zu den spektakulärsten Teilen der gesamten Via Alpina. Hier prägen einige der bekanntesten Gipfel der Schweiz das Landschaftsbild – allen voran das berühmte Dreigestirn aus Eiger (3.967 m), Mönch (4.110 m) und Jungfrau (4.158 m). Auch landschaftlich gehört diese Region zu den eindrucksvollsten Gebieten der Alpen. Aus diesem Grund widme ich ihr einen eigenen Beitrag.
Ab Meiringen, dem Tor zum Berner Oberland, führte der Weg zunächst vorbei am 120 Meter hohen Reichenbachfall. Anschließend wanderte ich direkt am Fuße des Wetterhorns entlang. Aus dieser Nähe wirkt der Berg besonders mächtig: Seine steilen, fast abweisenden Felsflanken, die gewaltigen Eis- und Firnfelder sowie die schiere Höhe von über 3.700 Metern lassen ihn aus dem Tal heraus regelrecht über einem aufragen. Ein Eindruck, der sich tief einprägt und den Respekt vor der Natur noch weiter anwachsen lässt.
Kurz darauf ging es über die Große Scheidegg (1.962 m) in Richtung Grindelwald. Oben angekommen eröffnete sich erstmals der Blick auf die rund 1.800 Meter hohe Eiger-Nordwand – zweifellos eine der bekanntesten und beeindruckendsten Felswände der Alpen. Kaum ein anderer Berg steht so sehr für die dramatische Geschichte des Alpinismus: Tragische Unglücke und tödliche Abstürze liegen hier ebenso nahe wie außergewöhnliche alpinistische Höchstleistungen.
Grindelwald ist ein klassischer Holzchalet-Ort am Fuße der Eiger-Nordwand. m Hintergrund ragen zudem die beiden Viertausender der Fiescherhörner auf. Von dort führte mich der Weg weiter über die Kleine Scheidegg (2.061 m) – kurioserweise höher gelegen als die Große – hinein ins beeindruckende Lauterbrunnental. Mit seinen steilen Felswänden und insgesamt 72 Wasserfällen zählt es zu den spektakulärsten Tälern der Alpen. Hier endete für mich in diesem Jahr offiziell die Via Alpina.
Doch damit war die Reise noch nicht vorbei. Diese Region war viel zu eindrucksvoll, um sie einfach nur „durchzuwandern“. Deshalb blieb ich noch drei zusätzliche Tage vor Ort und unternahm unter anderem einen Abstecher zum Jungfraujoch (3.463 m). Dort befindet sich mit dem Bahnhof Jungfraujoch auf 3.454 Metern über dem Meeresspiegel der höchste Bahnhof Europas – bekannt als das „Top of Europe“. Die hochalpine Landschaft, der Blick auf den Aletschgletscher, den längsten Gletscher der Alpen, sowie die umliegenden 4000er-Gipfel machten diesen Abschluss zu einem weiteren absoluten Höhepunkt.
Für mich hatte dieser Abschnitt noch eine zusätzliche, persönliche Bedeutung. Als Der-Herr-der-Ringe-Fan war ich hier auf den Spuren von J. R. R. Tolkien unterwegs. Tolkien wanderte 1911 selbst durch die Schweiz, unter anderem durch das Berner Oberland. Viele der Landschaften, die er damals sah, flossen später in seine Beschreibungen von Mittelerde ein – nicht Neuseeland, wie oft angenommen wird.
Während meiner Wanderung fühlte ich mich immer wieder an Szenen aus Der Herr der Ringe erinnert – fast so, als wäre ich selbst Teil der Gefährten. Besonders eindrücklich war das im Lauterbrunnental, das mit seinen steilen Felswänden, rauschenden Wasserfällen und der abgeschiedenen Lage stark an Bruchtal erinnert – die sagenumwobene Heimat der Elben. Auch die damalige Baustelle der Jungfraubahn mit ihren tief in den Fels getriebenen Tunneln diente Tolkien als Inspiration für Khazad-dûm, besser bekannt als die Minen von Moria.
Auch das Silberhorn (3.704 m) fand mit seiner pyramidenförmigen, vollständig überfirnten Form – eines der beliebtesten Fotomotive des Berner Oberlandes – Eingang in Tolkiens Welt. In Der Herr der Ringe erscheint es als Celebdil, auch Silberzinne genannt: ein markanter Gipfel im Nebelgebirge oberhalb von Moria, bekannt durch den legendären Kampf zwischen Gandalf und dem Balrog. Tolkien selbst bezeichnete diesen Berg als „die Silberzinne meiner Träume“.

























